“If you hold the bus for everyone on the team, then you’ll be so late that you’ll miss the game, so you can’t do that. The bus must leave on time. However, sometimes you’ll have a player that’s so good that you hold the bus for him, but only him.”

„Wenn du für jeden im Team den Bus warten lässt, kommst du zu spät und wirst das Spiel verpassen, das geht also nicht. Der Bus muss pünktlich abfahren. Manchmal, allerdings, hast du einen so guten Spieler, dass du für ihn den Bus warten lässt, aber nur für ihn.“

– John Madden gefunden auf Ben Horowitz’s Blog.

Dieses Statement erinnert mich an meine Zeit bei den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben. Oft waren wir am Wochenende unterwegs zu Konzertfahrten. Wir haben uns alle an einem zentralen Ort in Stuttgart’s Innenstadt getroffen, wo der Bus zur Abfahrt bereit stand. Es galt: „Zehn Minuten vor der Zeit ist im Hymnus Pünktlichkeit“. Der Bus fuhr immer pünktlich ab, wer zu spät kam fuhr nicht mit. Je nach Reiseziel hatten wir uns wochenlang darauf gefreut. Wir Buben taten also alles, dass unsere Eltern uns pünktlich ablieferten.

Wann erlaubt man eine Ausnahme von der Regel?

Folgendes Video des Vortrags von Barry Schwartz wirft eine spannendes Problem auf: Oft stehen wir vor der Wahl, das Richtige zu tun, im Gegensatz dazu, was erwartet wird, verlangt wird oder das, was profitabel ist. Wie entscheiden wir uns?

Genauso sehen wir wie Institutionen, der Staat oder Firmen von denen wir abhängig sind vor demselben Problem stehen und wir befürchten, dass sie uns zu wenig kennen oder zu weit weg sind, als dass sie unsere Interessen berücksichtigen können. Die erste Reaktion auf diese Befürchtungen ist: Lass uns mehr Regeln aufstellen, genaue Abläufe festlegen, um sicher zu stellen, dass die Verantwortlichen das richtige tun. Gebt den Lehrern Texte für den Unterricht, so dass sie selbst wenn sie nicht wissen was sie tun oder sich darum nicht kümmern, unsere Kinder richtig ausbilden und erziehen. Die folge dieses Handelns zeigt Barry Schwartz sehr eindrücklich auf.

[iframe src=“http://youtu.be/IDS-ieLCmS4″]

Er zeigt auf wie „system changer“, Systemveränderer, solche verfahrenen Situation ändern können. Was diese Menschen auszeichnet: Sie besitzen „practical wisdom“, was ich mit „gesundem Menschenverstand“ übersetzen würde.

Es gibt Situationen, in denen man die Regeln beugen muss, um allen Beteiligten zu nützen. Damit verlässt man immer den eingefahrenen Weg, riskiert aufzufallen und anzuecken. Entweder man sieht sofort den „Fehler im System“ und erhält daher die Gewissheit das Richtige zu tun, oder man spürt intuitiv, was die richtige Entscheidung ist, ohne die Zeit zu haben alles zu durchdenken. Das nötige Zivilcourage folgt meist aus dieser Gewissheit.

Aufmerksamkeit und Flexibilität im Denken sind eine wichtige Vorrausetzung dafür. Da manchmal wichtige Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen davon abhängen, ist es gut diese Fähigkeiten zu trainieren. Am besten in einem Rahmen, in dem man sich erlauben kann Fehler zu machen, ohne schwerwiegende Konsquenzen.

Für mich ist das die Beschäftigung mit der Fotografie. Als gelernter Fotograf kenne ich all die Regeln, wie man eine gute Fotografie erstellt. Nicht nur die technischen Vorrausetzungen, die erfüllt werden müssen, sondern auch gestalterische Vorgaben, wie zum Beispiel die Regel des Goldenen Schnitts. In der Nachbearbeitung, bei der Ausschnittbestimmung experimentiere ich mit diesen Regeln und probiere aus, was passiert, wenn ich sie breche. Je besser ich diese Regeln beherrsche und je mehr Erfahrung ich habe, umso kreativer kann ich neue Regeln erfinden, um sie dann womöglich wieder zu brechen. Mir macht das totalen Spass und hält mich fit Regeln zu durchschauen und mehr und mehr einen intuitiven Umgang damit zu üben.

Die alles entscheidende Frage ist: Dient es dem Richter, Angeklagten, Kläger und allen damit verbundenen Angehörigen, dem Kunden und dem Verkäufer, dient es dem Grossen Ganzen?