Ohne Auftrag

Dieses Video von CreativeMornings hat mich zum Nachdenken gebracht. Jim Coudal von Coudal Partners erzählt wie ihm klar wurde, dass er zwar selbständig, frei und unabhängig mit seiner Firma ist, er in Wirklichkeit zwar keinen Boss hat, aber seine Kunden ihn genauso unter Druck setzen können. Manchmal muss er und seine fünf Partner Kompromisse eingehen weil der Kunde es so will. All diese Kompromisse störten ihn, er musste aber im Kundeninteresse handeln.

Jim Coudal erzählt weiter wie er bemerkt hat dass seine Projektideen ohne Auftrag immer auf die Freizeit verschoben wurden, da ja niemand dafür bezahlt und es somit reiner Zufall war was davon jemals realisiert wurde. Da hat er angefangen eine solche Projektidee so zu behandeln, wie wenn es ein realer Kunde wäre. Er hat genauso viel Zeit dafür eingesetzt wie für einen echten Kunden innerhalb der regulären Arbeitszeit. Natürlich kam zunächst kein Umsatz herein, wie das manchmal bei Aufträgen ja auch der  Fall war. Ausser Zeit durfte nur im begrenztem Masse Kapital investiert werden.

Eines der Projekte war ein Service für Bands: Deren Fans konnten beim Konzert eine CD mit der Liveaufnahme des Abends bestellen, bezahlen und innerhalb von zwei Woche wurde die CD zugeschickt. Coudal Partners hat das Konzert aufgenommen und die CDs produziert. Sie hatten viel Spass, sind mit den Bands auf Tour gewesen, haben gut Geld damit verdient. Dieses Projekt hat guten Umsatz gebracht. Später mussten sie dieses erfolgreiche Projekt einstellen, da der Ärger mit den Managern der Bands und die Lizenzverhandlungen mit den Plattenfirmen zu mühselig wurden. Dann kam die nächste Idee: spezielle, hochwertig produzierte Notizbücher, komplett in USA hergestellt. Das wurde ein Hit.

Inzwischen hat Coudal Partners nicht mehr soviel Zeit für Kundenaufträge, das ist jetzt eher die Ausnahme. Die Hauptarbeitszeit ist jetzt für die verschiedenen eigenen Projekte reserviert. Wenn jemand eine Idee für ein neues Produkt hat, wird sehr schnell ein Prototyp hergestellt, um es so schnell wie möglich am Markt zu testen. Wenn es ankommt wird es produziert. Jetzt hat die Firma wirklich die Freiheit wie wir es von Künstlern kennen, die ohne Auftrag produzieren.

Wie würde dieses Geschäftsmodell in meiner Firma aussehen? Wenn ich auf mein bisheriges Berufsleben zurückschaue, sehe ich dass ich noch nie so gearbeitet habe. Ich dachte immer das Risiko ist geringer wenn ich erst arbeite wenn ich einen Auftrag habe.

Zunächst ist es mehr Risiko ohne Auftrag zu produzieren, hat aber den Vorteil man kann ohne Kompromisse arbeiten. Die Kunst ist dann den Markt zu finden und rechtzeitig zu erkennen falls dafür kein Markt da ist. Dann probiert man etwas Neues. Das Risiko bei Auftragsarbeiten ist dafür, genauso wie bei einer Anstellung, dass  man arbeitslos wird.

In meiner Fotografenlehre habe ich gelernt wie man mit Auftragsarbeiten Geld verdient und dann habe ich das Zeit meines Lebens auf alle meine Interessen angewandt. Jetzt erst realisiere ich, dass das nur ein Geschäftsmodel im Film oder in der Fotografie ist. Da jetzt die Produktionskosten durch Digitalisierung und die Marketingkosten durch das Internet drastisch gesunken sind, ist es jetzt ganz anders möglich unabhängig, ohne Auftrag zu produzieren. Ich habe einige Ideen die ich ausprobieren möchte.

Mit einer meiner Kundinnen kam mir beim Drehen ihres Videos für ihre Website die Idee zu einem Kurzfilm. Im Moment schreibe ich die Geschichte, dann will ich das Ganze mit ihr zusammen als digitalen Kurzfilm produzieren, um dann zu sehen ob es ankommt und ob wir dafür einen Markt finden.

Parallel zu meiner beruflichen Arbeit habe ich immer fotografiert und bin auch da jetzt am untersuchen, wie könnte ich diese Bilder vermarkten oder ganz neue Vermarktungswege dafür finden. Zunächst bietet sich an, eine Ausstellung zu organisieren um zu sehen wie die Fotografien ankommen, dann kann ich weiter sehen.

Ich kann mir gut vorstellen in Zukunft mehr solche Projekte zu realisieren und dafür weniger Auftragsarbeiten auszuführen. Die machen in den meisten Fällen genauso viel Spass wie Arbeiten in eigenem Auftrag, deshalb wird das sicher immer ein Bestandteil meiner Arbeit sein.

2 Kommentare

  1. Schöne Gedanken:-)
    Schau dir mal an, was du zum Thema LeanStartup findest—Eric Ries aus SF ist einer der Protagonisten der Szene.
    Sein Buch des gleichen Titels erscheint in ein paar Wochen.
    Auf der ALE2011 wirst du einiges zu dem Thema erleben, denke ich:-)
    http://ale2011.eu/agenda/
    LG
    Olaf

Kommentare sind geschlossen.

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