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Johannes Sylvester Fluhr • storymaker, videoproducer & blogger

Hartmut Esslinger, ein Vorbild für mich

Während meines Studiums, Ende der Achtziger Jahre, habe ich meinen ersten Computer gekauft. Es war ein Apple Macintosh Classic. Die Grafikdesigner an unserer Hochschule waren von diesem Computer begeistert. Nicht nur Programmierer, sondern auch Designer konnten damit umgehen.

Kurz darauf viel mir das Buch „Hartmut Esslinger und Frogdesign“ in die Hände. Er war der Produktdesigner meines Computers. In diesem Buch stellt er der Lehre „Form follows Function“ sein „Form follows Emotion“ entgegen. Als Designstudenten lernten wir Gestaltungsregeln nach Bauhaus, die als Grundlage perfekt waren. Darauf aufbauend hat mich Esslinger mit seinen Ideen und Konzepten begeistert und überzeugt. Er hat damals Steve Jobs bestärkt konsequent die intuitive Benutzerführung und die Reduktion auf das Wesentliche umzusetzen.

Seine Theorie rückt den Kundennutzen in den Mittelpunkt. Kunden müssen nicht lernen und verstehen, die Form des Produktes leitet sie intuitiv an. Selbst die innovativsten Produkte müssen einfach bedienbar sein.

Für mich heisst das seit damals, ich mache es dem Zuschauer meiner Filme so einfach wie möglich die Botschaft zu verstehen und die Aussage nachzuvollziehen. „Form follows Emotion“ heisst für mich der Verzicht auf Firlefanz und Effekthascherei. Die authentisch erzählte Geschichte meiner Protagonisten macht es möglich eine echte Verbindung herzustellen und den Menschen ein Stück weit kennenzulernen.

Quelle: Hartmut Esslinger – Advice For Designers on Vimeo

Johannes Wagner empfiehlt ichfilmesie

Improvisieren

Wann haben sie das letzte Mal improvisiert?

Bei der Kunst und in der Geschäftswelt, in beiden Welten ist der Unterschied zwischen Amateuren und Profis einfach: Die Profis wissen sie improvisieren. Die Amateure tun so als ob nicht.

aus „The Art of Asking“ by Amanda Palmer

Irgendwann habe ich bemerkt wenn ich in meiner Arbeit weiterkommen will und besser werden will, und nur dann macht die Arbeit ja letztendlich Spass, dann muss ich mich weiterentwickeln und lernen. So hart es ist und so schwer sich einzugestehen, am Besten lernt man aus Fehlern.

Seitdem ist mir jeder Fehler willkommen um mich zu verbessern. Man lernt im Laufe der Zeit Fehler nicht mehr zu vermeiden oder unter den Teppich zu kehren. Sich mit Ausreden oder der Schuld von anderen zu beschäftigen fällt weg. Die Zeit und Energie kann ich jetzt in die Lösung von Problemen investieren. Das führt dazu dass man wirklich gut wird in dem was man tut. Jede Arbeit wird besser als die vorhergehende. Das macht für mich einen Profi aus.

Und jetzt wird es spannend. Von dieser Sicherheit ausgehend kann ich bewusst Risiken eingehen, so begrenzt wie möglich. Es geht darum Neues zu entdecken und das Produkt weiter zu entwickeln. Das führt zu Unvorhersehbarem und man muss improvisieren. Da kommen dann spontane Ideen und Lösungen aus der Praxis.

Alles bleibt lebendig und abwechslungsreich, mir selbst wird nie langweilig und es ergeben sich neue Chancen Fehler zu machen und daraus zu lernen. Nicht so tun als ob man alles beherrscht. Bereit sein an die Grenzen zu gehen und zu spielen.

Im Buch „The Art of Asking“ erzählt Amanda Palmer über ihre Karriere als Musikerin und wie sie die neue Tauschwirtschaft genutzt hat um ihre Karriere zu entwickeln. Sie nutzt die damals neuen digitalen Werkzeuge wie Social-Media und Crowdfunding um sich als unabhängige Künstlerin zu verwirklichen. Nebenbei lernt man viel über diese Werkzeuge kennen und ist fasziniert von den Aufs und Abs eines Lebens als Künstlerin und Freigeist. Spannend!

Eines der für mich überraschendsten Bücher der letzten Jahre, inzwischen auch auf Deutsch erschienen The Art of Asking: Wie ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und lernte, mir helfen zu lassen.

Weniger Ausrüstung, weniger Reproduzierbarkeit, mehr Engagement

In diesem Artikel spricht der Marketingexperte und Buchautor Seth Godin mir aus der Seele. Genau so arbeite ich. Das englische Original gibt´s hier.

Natürliches Licht

Eine Methode etwas herzustellen ist es alle Umstände zu kontrollieren. Stell sicher, daß du die Lieferkette solange optimiert hast, daß die Rohmaterialien immer genau gleich sind. Garantiere, daß die Arbeitsbedingungen identisch sind. Isoliere alle Prozesse von der Außenwelt, so daß sie zuverlässig und vorhersagbar sind.

Eine andere Methode ist es, das natürliche Licht zu verwenden. Nimm was du bekommst. Mache die Vielfalt der Ausgangsbedingungen zum Bestandteil dessen was du herstellst.

Wie dem auch sei, falls du die Bedingungen kontrollieren mußt, dann tue es. Stehe dazu. Es kostet sehr viel und du mußt dafür sorgen, daß es sich lohnt. Es ist dumm zu erwarten, daß du ohne Werkzeuge und Aufwand, wechselnde Ausgangsbedingungen regelmäßig zur Perfektion zwingen kannst. Moderne Operationen werden auf diese Art und Weise durchgeführt und das ist gut so. Krankenhäuser zögern nicht Zeit und Geld zu investieren, um jedes kontrollierbare Element zu kontrollieren.

Oder wähle das natürliche Licht. Begrüße die Vorstellung, daß die Bedingungen niemals ideal sind, was sie, selbstverständlich, immer ideal macht. Beim natürlichen Licht gilt, wie immer es auch gerade ist, so ist es eben.

Du kannst bei der Art und Weise wie du Ketchup herstellst, wie du Ausflüge machst oder wie du fotografierst diese Wahl treffen. Weniger Ausrüstung, weniger Reproduzierbarkeit, mehr Engagement.

Seth Godin

Kill Your Darlings: Worauf es beim Videoschnitt ankommt

Was beim Videoschnitt am wichtigsten ist beschreibt der Fotograf Florian Büttner sehr zu treffend in einem Interview. Er erläutert den Prozess der Bildauswahl beim Zusammenstellen einer Bildstrecke:

Zu verstehen, welche Bilder in eine Geschichte gehören, welche es braucht, um etwas zu erzählen und manchmal auch tolle Bilder rauszuschmeißen, weil sie die Story nicht weiterbringen, sind einige der wichtigsten Fähigkeiten des Fotojournalisten überhaupt.

Florian Büttner

Eine bunte Spielzeugpistole liegt im Gras. Sie stellt den Ausdruck Kill Your Darlings

Reduktion auf das Wesentliche

Ein Fachbegriff von Textern und Drehbuchautorinnen ist „Kill Your Darlings“. Es bedeutet im Dienste der Story den Überblick zu behalten und einzelne schöne Details die ablenken radikal heraus zu schneiden. Das tut oft weh, damit ist ja dieses schöne Detail für immer verloren. Niemand wird es jemals zu Gesicht bekommen.

Mir geht es beim Schneiden und Montieren eines Video Portraits oft genau so. Das ist das Härteste am Videoschnitt. Womöglich habe ich viel Aufwand bei der Herstellung dieses Details investiert um es jetzt weg zu lassen. Das Material wird Stück für Stück auf die Essenz kondensiert. Diese ständigen Entscheidungen beim Schnitt benötigen die meiste Zeit und Energie.

Videoschnitt kondensiert

Nur durch diese Konsequenz wird der Film ausdrucksstark, prägnant und kann einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Je einfacher, je besser. Je weniger Information zum Beispiel, um so mehr hat der Zuschauer Zeit sich auf die Situation, die Stimmung und letztendlich auf den Menschen ein zu lassen.

Dann erst entsteht eine Verbindung zwischen der Portraitierten und dem Zuschauer, wo möglich intensiver als in einem persönlichen Gespräch. Das ist das Ziel meiner Arbeit.

Informationen sind sekundär

Was zählt ist die Emotion, die Verbindung zur Zuschauerin. Fühle ich mich als Betrachter abgeholt und verstanden? Je natürlicher und ungekünstelter der Mensch im Video erscheint, um so leichter kann ich mich identifizieren. Genau das arbeite ich im Videoschnitt heraus.

Die Informationen über die Arbeit der Dargestellten finden sich auf der Webseite wieder. Dort kann ich sie im eigenen Tempo lesen und so tief einsteigen wie ich möchte.

Das Video Portrait lockt mich an und überzeugt mich weiter zu lesen und mich mit der Coach, dem Trainer oder der Beraterin in Verbindung zu setzen.

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